Hochwasser im August 2002

Brief des Bürgermeisters zum Hochwasser der Erms am 10. und 11. August 2002

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

die Nacht von Samstag, 10 August auf Sonntag, 11.August 2002 wird künftig für die Ortschronik von Neckartenzlingen ein schmerzvolles Datum bleiben. Ohne gezielte Vorankündigung hat uns das Überlaufen der Erms überrascht.
Eine erste Information lief um 23.13 Uhr bei mir ein. Diese Meldung bezog sich jedoch insbesondere auf das rasche Ansteigen des Neckarpegels und dass es im Lenninger Tal wohl zu erheblichen Unwetterproblemen gekommen war. Der Pegelstand des Neckars war für uns jedoch noch unbedenklich.

Eine Hochwasserwarnmarke für die Erms gibt es derzeit nicht.

Gegen 23.50 Uhr habe ich zusammen mit Kommandant Lohrmann die Erms kontrolliert und bereits bei der Rückfahrt
ins Gerätehaus kam um 23.57 Uhr der erste Alarm, der von einem Anlieger der Ermsstraße veranlasst wurde. Um 0.10 Uhr wurde Vollalarm für die Feuerwehr ausgelöst und parallel dazu wurde begonnen, die Anlieger der Ermsstraße zu warnen.
Die Erms trat mit gewaltigen Wassermassen über die Ufer und suchte sich einen Weg durch die Straßenzüge. Die Feuerwehr hat daraufhin die Anlieger der betroffenen Straßen durch Signalhorn und Lautsprecherdurchsagen gewarnt. Es wurde versucht zu retten, was zu retten war. Autos wurden noch aus Garagen gefahren, Keller wurden teilweise geräumt, doch leider blieb keine Zeit, eine umfassendere Räumung vorzunehmen.

Die W assermassen drangen durch die Straßen und in die Keller, und nun mussten die Bürger aufgefordert werden, höher gelegene Räume aufzusuchen, um sich nicht in große Gefahr zu bringen. Es wurde alles darangesetzt, das Hochwasserpumpwerk in der Neckarstraße in Gang zu halten, damit das Wasser schnellst möglich abgepumpt werden konnte. Die Pumpen haben funktioniert, sie haben in dieser Nacht mehr Wasser gepumpt wie insgesamt in den vergangenen 19 Jahren - dennoch war der Schaden und die Verwüstung sehr groß.

Zur Unterstützung der örtlichen Einsatzkräfte wurden die Feuerwehren aus Altdorf, Altenriet und Schlaitdorf, die DRK-Bereitschaft und die THW Ortsverbände Ostfildern und Kirchheim alarmiert. Später konnte auch die Hilfe der Feuerwehr Neckartailfingen in Anspruch genommen werden.

Nach dem Ablaufen des Wassers wurden Dutzende von Pumpen eingesetzt, um die vollgelaufenen Keller, Wohnungen und Tiefgaragen wieder frei zu bekommen. Die Arbeit der Feuerwehren erstreckte sich bis zum Montagabend. Die Aufräumarbeiten der Betroffenen werden sich sicher noch über Wochen erstrecken.

An dieser Stelle kann eine endgültige Bewertung der Ursachen und eine Einleitung von konkreten Maßnahmen noch nicht vorgenommen werden. Ich versichere Ihnen jedoch, dass wir alle das Ereignis sehr ernst nehmen. Wir haben bereits begonnen, das Geschehen zu dokumentieren, um die richtigen Schlüsse und Vorsorgemaßnahmen für die Zukunft treffen zu können.

Zunächst gilt es vor allen Dingen, den Dank an alle Einsatzkräfte aus nah und fern, insbesondere für die Unterstützung durch die Nachbarfeuerwehren aus Altdorf, Altenriet, Neckartailfingen und Schlaitdorf zu sagen. Alle Feuerwehren waren rund um die Uhr bis an die Grenzen der Belastbarkeit voll im Einsatz. Stellvertretend für alle ca. 150 Feuerwehrleute möchte ich namentlich Kommandant Lohrmann auch im Namen vieler Bürger besonders danken. Herzlich danken darf man auch allen Betroffenen, die besonnen und umsichtig die Situation gemeistert haben.

Dieser Dank wird sowohl von der Verwaltung als auch der Feuerwehr ausgesprochen.

Es bleibt die Hoffnung, dass dieses Ereignis sich nicht wiederholt.

Herbert Krüger, Bürgermeister

Bilder vom Hochwasser finden Sie hier in unserem Fotoalbum.

Einen Einsatzbericht der Feuerwehr mit Bildern finden Sie hier: http://www.feuerwehr-neckartenzlingen.de